Süßwasser Zuchtperlen - Vielfalt an Formen & Farben

Süßwasserperlen Süßwasserperlen werden in Seen oder kleineren Flüssen gezüchtet. Keine Perle zeigt sich vielseitiger als diese. Es gibt sie in einer unglaublichen Formen- Farben- und Größenvielfalt. Die Süßwasserperle hat in den letzten 40 Jahren immer wieder für große Überraschungen gesorgt, weil sich aufgrund von aufwändigen Experimenten mit verschiedenen Muscheln und Zuchtverfahren ihr Aussehen immer wieder gewandelt hat. Traditionell war charakteristisch für die Süßwasserperle, dass sie ohne einen Perlmuttkern gezüchtet wurde.

Diese Perlen, die ohne Kern heranwachsen, bestehen ganz aus Perlmutt. In Aussehen, Struktur und chemischer Zusammensetzung ähneln sie damit den Naturperlen mehr als jede andere Zuchtperle.

Die Geschichte der Süßwasser Zuchtperle hat - wie die Akoyaperle Zuchtperle - ihren Anfang in Japan.

Süßwasser-Zuchtperlen aus Japan

Die Biwaperle

Schon in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts errangen Japaner erste Erfolge auch bei der Zucht von Süßwasserperlen. Sie fanden im größten See Japans, dem Biwa See, statt. Doch weltweit bekannt und beliebt als so genannte Biwa Perlen wurden diese Perlen erst nach dem zweiten Weltkrieg. Bei Versuchen hatte man herausgefunden, dass man zur Zucht von Süßwasserperlen – anders als bei Salzwasserperlen – keinen Kern benötigt. Vielmehr genügt es, der Muschel Gewebeteile einer anderen Muschel einzupflanzen, um das Wachstum einer Perle anzuregen.

Das Wort Biwa-Perle wird vielfach heute noch als Synonym für die kernlose Süßwasserzuchtperle gebraucht.

Zu Unrecht: Im japanischen Biwa See gibt es seit 1990 so gut wie keine Perlenproduktion mehr. Schon in den 70iger Jahren des vorigen Jahrhunderts hatten die Japaner auch Süßwasserperlen aus China importiert, in ihren eigenen Perlmanufakturen bearbeitet und als „Produkte aus Japan“ in die Welt exportiert. Der Preis der Perlen wurde festgelegt nach ihrer Qualität und nicht nach ihrer ursprünglichen Herkunft. Die Perlenzüchter am Biwa-See hatten zunehmend mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Der See wurde durch zu viele Perl- und Fischfarmen auf zu kleiner Fläche in seinem Gleichgewicht gestört. Außerdem kam es durch Verschmutzung des Wassers mit Chemikalien aus der Landwirtschaft immer wieder zu Muschelsterben. Als der See auch noch zum Wasserlieferanten von Millionen privater Haushalte wurde, war der Niedergang nicht mehr aufzuhalten.

Die Kasumiga-Perle

Heutzutage werden japanische Süßwasser-Perlen in kleineren Mengen im Kasumigaura See nördlich von Tokyo gezüchtet. Allerdings handelt es sich bei den sogenannten Kasumiga-Perlen um Süßwasserperlen mit Kern. Das Zuchtverfahren ähnelt dem der Akoyaperle. Die durchschnittliche Größe dieser Perlen beträgt 10-15 mm, aber es gibt auch feine Exemplare von 20 mm Durchmesser. Die Farben entsprechen der typischen Farbpalette der Süßwasserperle, sind aber intensiver. Die Anbaufläche auf dem etwa 160 Quadratkilometer großen See ist natürlich begrenzt. Die Produktion von sehr guten Qualitäten ist deshalb sehr übersichtlich.

Süßwasser-Zuchtperlen aus China

China Zuchtperlen

Süßwasserperlen höchster Qualität

Die Volksrepublik China ist inzwischen der unumstrittene Marktführer von Süßwasser-Zuchtperlen.

Diese Perlen werden auch China-Zuchtperlen genannt. Manchmal hört man für Süßwasserperlen auch die Bezeichnung „Frischwasserperlen“. Dieser Begriff ist jedoch das Ergebnis einer schlechten Übersetzung aus dem Englischen. In Englisch heißen diese Perlen „freshwater pearls“. „freshwater“ korrekt ins Deutsche übersetzt bedeutet „Süßwasser“.

Geschichte

Chinesen begannen Anfang der 70er Jahre mit Experimenten zur Zucht kernloser Süßwasserperlen und bauten schnell eine große Produktion auf. Verwendet wurde die Muschel Hyriopsis cumingii. Bis Anfang der 80iger Jahre wurden die chinesischen Süßwasserperlen fast ausschließlich durch Japan vermarktet.

"Rice-crispies"

Nach dem Tod von Mao Zedong im Jahre 1976 übernahm 1978 Deng Xiao Ping die Macht. Die von ihm eingeleitete Öffnung des chinesischen Marktes und Förderung der Landwirtschaft hatte auch Folgen für die Entwicklung der Perlenzucht. Den Bauern war es nun erlaubt, einen Teil ihres Ertrages zu behalten, bzw. selbst zu vermarkten. Die Zuchtperle ist ein landwirtschaftliches Produkt und viele Farmer fingen an, Perlen zu züchten, weil sie sich davon gute Gewinne versprachen. Die Folgen waren sehr negativ. Die Farmer hatten kaum Kenntnisse, sie verwendeten zur Zucht die Muschel Cristaria plicata, die ein schnelles Wachstum von Perlen, aber keine gute Qualitäten garantiert. Die Folgen war, dass der Weltmarkt plötzlich von Perlen niedriger Qualität überschwemmt wurde. Diese Perlen wurden „rice crispies“ genannt und so sah ihre Form und runzlige Oberfläche auch aus. Dem Ruf der chinesischen Süßwasser Zuchtperle wurde damit ein Schaden zugefügt von dem sie sich immer noch nicht ganz erholt hat.

Dreiecksmuschel Hyriopsis cumingii, im Volksmund wegen ihrer Form auch Dreiecksmuschel genannt

In den 90iger Jahren kam es zu entscheidenden Qualitätsverbesserungen. Zum Teil lag das daran, dass man zur Zucht nun wieder die Muschel Hyriopsis cumingii verwendete, aber man nun auch über bessere Kenntnisse und Ausrüstungen, um bessere Perlenqualitäten zu züchten, verfügte. Fortgesetzt wurde mit verschiedenen Muschelarten und neuen Verfahren experimentiert.Plötzlich tauchten auf dem Perlenmarkt nahezu runde und runde Süßwasser Zuchtperlen mit wehr gutem Lüster, und nahezu makelloser Oberfläche in Größen bis 11 mm auf.

Die Zucht chinesischer Süßwasserperlen

Zur Zucht benutzt werden in China inzwischen drei verschiedene Muschelarten. Das sind die bereits erwähnte Hyriopsis cumingii, die wegen ihrer Form im Volksmund Dreiecksmuschel genannt wird; zunehmend verwendet werden aber auch die Biwa Perlmuschel, die im japanischen Biwasee heimisch war, sowie eine Kreuzung zwischen diesen beiden Arten.

Süßwasserperlenfarm Süßwasserperlenfarm

Man wendet drei verschiedene Methoden zur Zucht an.

  • Zucht ohne Kern nur durch Einpflanzen des Gewebeteils einer anderen Muschel
  • Zucht,in dem man der Muschel, wie die Chinesen sagen „ein zweites Leben“ ermöglicht.
  • Zucht durch Einpflanzen eines Kernes

Zucht ohne Kern

Bei der Süßwassermuschel bedarf es zur Bildung einer Perle keines Perlmuttkernes, wie bei den Salzwassermuscheln. Bereits das Einpflanzen des Gewebeteils einer anderen Muschel regt die Produktion einer Perle an. Warum das so ist und wie genau es funktioniert, weiß man nicht. Man kann in einer Muschel auf diese Weise bis zu 32 Perlen züchten. Es werden in den Mantel jeder Perlenschale 12 bis 16 kleine Schnitte gemacht, in die jeweils ein kleines Gewebeteil von etwa 3 mm Größe gesetzt werden. Dieser Eingriff ist für die Muschel bei weitem nicht so belastend wie das Einsetzen eines Kernes bei den Salzwassermuscheln.

Die Muschel kann im Alter von 6 - 12 Monaten zur Zucht verwendet werden. Sie ist dann 7 - 9 cm groß. Das Wachstum der Perle dauert je nach der Größe, die erreicht werden soll 1 bis 5 Jahre, manchmal aber auch bis zu 7 Jahren.

In dieser Zeit bilden sich in einer Muschel Perlen verschiedener Größen, Formen und Farben.

Zucht durch ein „zweites Leben“ der Muschel

Perlenmuscheln in Netzen Ein Farmer überprüft die Muscheln in den Netzen

Einige der Muscheln werden nach der ersten Ernte erneut zur Zucht verwandt Der Farmer hat die Möglichkeit, beim zweiten Mal, die Muschel einfach ins Wasser zurückzusetzen, ihr ein zweites Leben zu schenken und zu warten. In dem bereits vorhandenen Perlsack der Muschel scheiden die Epitelzellen weiter Perlmutt aus und bilden eine neue Perle. Allerdings entstehen auf diese Weise mehr barocke und kaum runde Formen. Die Farmer nennen diese Perlen fälschlicherweise Keshiperlen.

Zucht durch Einplanzen eines Perlmuttkerns

Seit Anfang 2000 züchten die Chinesen auch Süßwasserperlen mit Perlmuttkern. Das Ziel ist, große runde Perlen hoher Qualität zu ernten.

Es gelang sehr große Perlen zu züchten, indem man nach der Ernte einer Perle in den vorhandenen Perlsack einen runden Perlmuttkern von 9-12mm pflanzte. In zwei Jahren kann daraus eine Perle von einem Durchmesser von 11 - 15,5 mm wachsen.

Die auf diese Weise gezüchteten Perlen sind jedoch bisher meist nicht rund, sondern barock. Sie werden oft „fireball“ genannt, weil ihre Form - ein rundlicher Körper mit Schweif - an einen Meteor erinnert.

Mittlerweile gelingt es den Chinesen jedoch zunehmend, annähernd runde und runde Perlen mit Kern zu züchten. Während Sie den Kern früher in das Mantelgewebe nahe der Schale pflanzten, führen sie ihn jetzt tief in das innere Gewebe der Muschel ein. Auf diese Weise ist es gelungen, riesige Perlen von 12-18mm Durchmesser in zum Teil intensiven Pfirsich, Rosé und Lavendeltönen zu ernten.. Aber auch weiße Perlen gibt es. Die Oberfläche sieht oft aus wie gehämmert oder hat ein wellenförmiges Muster. Bekernte große Süßwasserperlen mit glatter Oberfläche sind selten und teuer. Noch gibt es für diese neue Art von Süßwasserperlen keinen einheitlichen Namen. Meistens werden sie Ming Perlen oder Edison Perlen genannt.

Es ist anzunehmen, dass die Zukunft der Süßwasserperle die Zucht mit Kern sein wird. Man experimentiert auch damit, mehrere kleine Kerne in eine Süßwasser Perlenmuschel zu pflanzen, damit man kostengünstiger kleinere runde Perlen züchten kann.